Das AI-Ökosystem Österreich 2026: Startups, Forschung & Innovation
Letzte Aktualisierung: Februar 2026 | Autor: Alexander Gross, The Austrian AI
Österreich hat sich in den letzten Jahren zu einem ernstzunehmenden Standort für Künstliche Intelligenz in Europa entwickelt. Mit rund 300 AI-Startups und -Unternehmen allein im Startup-Segment, mehreren Forschungseinrichtungen von Weltrang und einer wachsenden Förderlandschaft bietet das Land ein dynamisches Ökosystem für KI-Innovation. In diesem umfassenden Guide zeigen wir, wer die wichtigsten Akteure sind, wo geforscht wird und welche Chancen sich für Unternehmen und Gründer bieten.
Die österreichische AI-Landschaft: Ein Überblick
Laut der AI Landscape Austria 2025 — der jährlichen Bestandsaufnahme des österreichischen KI-Ökosystems von Clemens Wasner (unterstützt von AI Austria) — umfasst allein die Ansicht „Startups & Unternehmen“ fast 300 Logos. Die Landscape wird seit 2017 erstellt und hat in ihrer neunten Ausgabe erstmals vier separate Ansichten, weil das Ökosystem schlicht zu groß für eine einzige Grafik geworden ist.
Schlüsselerkenntnisse der AI Landscape Austria 2025
- Generative-AI-Reset: Der Übergang von klassischem Machine Learning zu GenAI-nativen Geschäftsmodellen hat die Zusammensetzung der Akteure grundlegend verändert.
- Hohe Dynamik: Das Nettowachstum liegt bei ca. 10 % gegenüber dem Vorjahr, aber rund 30 % der älteren Einträge wurden durch neue Player ersetzt — ein Zeichen für einen hochaktiven Markt.
- Wien dominiert: Rund 65 % aller AI-Startups und -Unternehmen haben ihren Sitz in Wien, gefolgt von Hubs in Oberösterreich und der Steiermark (insbesondere im HealthTech-Bereich).
- Bootstrapping-Trend: Immer mehr Gründer setzen auf kleinere, effiziente Teams und frühe Profitabilität, statt auf große VC-Runden.
- Souveränität als Geschäftsmodell: Tech- und Datensouveränität sowie Open-Source-Modelle haben sich von Nischenthemen zu validen Geschäftsstrategien entwickelt.
Quelle: ai-landscape.at, Ausgabe 2025
Österreichische AI-Startups: Die wichtigsten Player
Laut Seedtable gibt es 17 Top-AI-Startups in Österreich mit einem aggregierten Funding von rund $89,2 Millionen (Stand 2025/2026). Die tatsächliche Szene ist deutlich größer — die AI Landscape listet fast 300 Unternehmen. Hier die wichtigsten verifizierten Akteure:
Mostly AI — Synthetische Daten aus Wien
Standort: Wien | Gegründet: 2017 | Funding: $31,1 Mio. (Series B)
Mostly AI ist der weltweit führende Anbieter für synthetische Datengeneration. Die Plattform ermöglicht es Unternehmen, realistische synthetische Kundendaten zu erzeugen, die die Muster und Verhaltensweisen echter Daten abbilden — ohne Datenschutzrisiken. Im März 2024 sicherte sich das Unternehmen eine $25-Millionen-Runde mit Molten Ventures als Lead-Investor.
Anyline — Mobile OCR-Technologie
Standort: Wien | Gegründet: 2013 | Funding: $36 Mio. (über 6 Runden)
Anyline entwickelt KI-basierte Optical Character Recognition (OCR) für mobile Anwendungen. Die Technologie ermöglicht das automatische Erkennen und Auslesen von Text, Dokumenten und Codes über Smartphone-Kameras. Zu den Kunden zählen Unternehmen weltweit. Im März 2024 erhielt Anyline zusätzlich €2,64 Mio. an Forschungsförderung für die Verbesserung des KI-Modelltrainings.
Quellen: anyline.com, Tracxn
Blackshark.ai — 3D Geospatial AI
Standort: Graz | Gegründet: 2020 | Funding: $35 Mio. (über 3 Runden)
Blackshark.ai nutzt Künstliche Intelligenz, um aus Satellitenbildern fotorealistische 3D-Modelle der Erde zu generieren. Die Technologie wird u. a. von Microsoft für den Flight Simulator eingesetzt und findet Anwendung in Verteidigung, Stadtplanung und Simulation.
Quellen: Tracxn
enspired — KI-gestützter Energiehandel
Standort: Wien | Gegründet: 2019 | Funding: über €40 Mio. (Series B+)
enspired ist auf KI-basierten Kurzfrist-Energiehandel spezialisiert. Die Software optimiert den Betrieb von Batteriespeichern und erneuerbaren Energieanlagen auf Strommärkten. 2024 schloss enspired eine Series-B-Runde über €25,5 Mio. ab, die 2025 auf über €40 Mio. erweitert wurde — eine der größten KI-Finanzierungsrunden eines österreichischen Startups.
Quellen: enspired-trading.com, brutkasten.com
XUND — KI in der Medizin
Standort: Wien | Gegründet: 2018 | Funding: €8 Mio. (Seed), + €6 Mio. (Pre-Series A, 2025)
XUND entwickelt KI-basierte Software als Medizinprodukt (SaMD) für die automatisierte Symptomerfassung und Triage. Im März 2025 sicherte sich das Unternehmen €6 Mio. in einer Pre-Series-A-Runde für die europäische Expansion, mit Fokus auf DACH und UK.
Quellen: xund.ai, EU-Startups
Leftshift One — Enterprise AI aus Graz
Standort: Graz | Gegründet: 2017
Leftshift One ist ein KI-Pionier aus Österreich, der mit seinem Produkt „MyGPT“ Retrieval-Augmented Generation (RAG) für Unternehmen anbietet. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben über 200 KI-Projekte umgesetzt und setzt auf datensichere Enterprise-Lösungen mit über 8 Jahren Erfahrung.
Quelle: leftshiftone.com
Craftworks — Industrial AI
Standort: Wien
Craftworks entwickelt individuelle KI-Lösungen für die Industrie mit Schwerpunkt auf Predictive Quality und Predictive Maintenance. Das Unternehmen nutzt Produktionsdaten, um Ausfälle vorherzusagen und Effizienz zu steigern.
Quelle: craftworks.ai
Weitere bemerkenswerte Exits und M&A
Laut der AI Landscape Austria 2025 gab es auch bedeutende Übernahmen im österreichischen KI-Ökosystem:
- Finmatics — übernommen von Visma (automatisierte Buchhaltung)
- Detekt — übernommen von Cyclomedia (KI-basierte Objekterkennung)
- Powerbot — übernommen von Volue (Energieoptimierung)
- 7Lytix — übernommen von KEBA (Predictive Analytics)
Quelle: ai-landscape.at
KI-Forschung in Österreich: Universitäten und Institutionen
Österreich verfügt über mehrere Forschungseinrichtungen, die international anerkannte KI-Forschung betreiben. Die enge Verzahnung von Forschung und Wirtschaft ist ein Standortvorteil.
TU Wien
Die Technische Universität Wien ist Teil des FWF-Exzellenzclusters „Bilateral AI“ und damit an einem der führenden KI-Grundlagenforschungsprojekte Österreichs beteiligt. Die TU Wien ist außerdem Kernpartner der AI Factory Austria (AI:AT), die einen neuen KI-optimierten Supercomputer aufbaut.
Quelle: ai-at.eu
Universität Wien
Die Universität Wien plant gemeinsam mit der TU Wien ein KI-Zentrum und ist an der AI Factory Austria beteiligt. Darüber hinaus ist sie am Biomedizin-KI-Institut AITHYRA beteiligt, das KI-Anwendungen in der biomedizinischen Forschung vorantreibt.
Quelle: ai-at.eu
JKU Linz — ELLIS Unit & Institute for Machine Learning
Die Johannes Kepler Universität Linz beherbergt das Institute for Machine Learning unter der Leitung von Prof. Sepp Hochreiter, einem der Miterfinder der LSTM-Architektur — einer der einflussreichsten Innovationen im Bereich Deep Learning weltweit. Die JKU ist Teil des ELLIS-Netzwerks (European Laboratory for Learning and Intelligent Systems).
ISTA — Institute of Science and Technology Austria
Das ISTA in Klosterneuburg bei Wien ist eine internationale Forschungseinrichtung, die sich auf Grundlagenforschung auf höchstem Niveau konzentriert. Mehrere Forschungsgruppen arbeiten an theoretischen und angewandten Aspekten des maschinellen Lernens.
AIT Austrian Institute of Technology
Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung und einer der Hauptträger der AI Factory Austria. Das AIT verbindet angewandte KI-Forschung mit Industriekooperationen in Bereichen wie Energie, Mobilität und Sicherheit.
Quelle: ai-at.eu
AI Factory Austria (AI:AT): Österreichs neues KI-Flaggschiff
Ein zentrales neues Element im österreichischen KI-Ökosystem ist die AI Factory Austria (AI:AT). Die Initiative wird im Rahmen des europäischen EuroHPC Joint Undertaking gefördert und hat das Ziel, eine leistungsstarke KI-Infrastruktur für Österreich aufzubauen.
Was AI:AT bietet
- KI-optimierter Supercomputer: Aufbauend auf dem Vienna Scientific Cluster (VSC) wird ein neuer Rechner speziell für KI-Workloads realisiert — geplanter Betriebsstart Jänner 2027.
- AI:AT Hub: Eröffnung eines physischen Hubs Anfang 2026 als Anlaufstelle für Forschung und Wirtschaft.
- Support-Services: Betreuung von KI-Projekten, Bereitstellung von Software-Lösungen für KI-Use-Cases, Möglichkeit zum Training größerer KI-Modelle.
Zeitplan
- Juni 2025: Informationsveranstaltung
- Juli–September 2025: Launch und Start der Vorarbeiten
- Oktober 2025: Start der ersten operativen Services
- Anfang 2026: Eröffnung des AI:AT Hub
- Jänner 2027: Supercomputer geht in Betrieb
Träger sind das AIT und das Austrian Competence Center Austria (EuroCC Austria), in Zusammenarbeit mit TU Wien und Universität Wien.
Quelle: ai-at.eu
Förderlandschaft für KI in Österreich
Österreich bietet eine vielfältige Förderlandschaft für KI-Projekte. Laut einer Analyse von Brainpower Austria stehen 2026 über 55 Millionen Euro an Fördermitteln für KI-Projekte zur Verfügung. Die wichtigsten Förderagenturen sind:
- aws (Austria Wirtschaftsservice): Bundes-Förderungen für Gründung, Wachstum und Digitalisierung. Das KI-Programm „AI Mission Austria“ wird mit €20 Mio. aus dem Fonds Zukunft Österreich finanziert.
- FFG (Forschungsförderungsgesellschaft): Österreichs zentrale Förderagentur für Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Das Basisprogramm fördert Projekte mit bis zu €3 Mio. (max. €5 Mio. bei 5 Jahren Laufzeit).
- Wirtschaftsagentur Wien: Förderungen für Wiener KMU, u. a. „Digitalisierung“ (max. €50.000) und „Innovation“ (max. €300.000).
- Bundesländer-Förderungen: Zusätzliche Programme in allen neun Bundesländern, z. B. Tirols Digitalisierungsförderung (max. €150.000) oder die steirische Ideen!Reich (max. €75.000).
👉 Den kompletten Guide zu allen KI-Förderungen mit aktuellen Beträgen und Einreichfristen findest du in unserem Schwesterartikel: KI-Förderungen Österreich 2026: Der komplette Guide
AI Mission Austria: Die nationale KI-Strategie
Die AI Mission Austria (AIM AT) ist Österreichs nationale Initiative, um alle KI-Förderungen unter einem Dach zu bündeln. Die Initiative wird im Auftrag mehrerer Bundesministerien (BMAW, BMK, BMBWF, BMF) von den Förderagenturen aws, FFG und FWF gemeinsam abgewickelt.
Zentrale Merkmale:
- Budget: €20 Mio. aus dem Fonds Zukunft Österreich
- Abdeckung: Von Grundlagenforschung (FWF) über angewandte Forschung (FFG) bis zur unternehmerischen Umsetzung (aws)
- Fokus: Vertrauenswürdige, nachhaltige und verantwortungsvolle KI-Entwicklung
Quelle: aws.at, ffg.at/aim
AI Austria: Think Tank und Community
AI Austria ist ein unabhängiger Think Tank, der sich als Plattform für den Austausch rund um Künstliche Intelligenz versteht. Der Verein unterstützt u. a. die jährliche AI Landscape Austria und veranstaltet Events, die Forschung, Wirtschaft und Politik zusammenbringen.
Praxisbeispiele: Wie KI in Österreich eingesetzt wird
KI ist in Österreich längst nicht mehr nur ein Forschungsthema, sondern wird branchenübergreifend angewandt:
Energie & Nachhaltigkeit
enspired optimiert mit KI den Kurzfrist-Energiehandel für Batteriespeicher und erneuerbare Energieanlagen. Das Unternehmen ist auf europäischen Strommärkten aktiv und trägt zur Energiewende bei.
Gesundheit & Medizin
XUND entwickelt KI-basierte Medizinprodukte für Symptomerfassung und Triage, die bereits von Krankenversicherungen und Gesundheitsdienstleistern eingesetzt werden. Das Produkt ist als Medizinprodukt zertifiziert.
Industrie & Fertigung
Craftworks setzt KI für Predictive Quality und Predictive Maintenance in Industrieunternehmen ein. Durch die Analyse von Produktionsdaten können Ausfälle vorhergesagt und Produktivität gesteigert werden.
Geospatial & Simulation
Blackshark.ai generiert aus Satellitenbildern automatisch 3D-Modelle ganzer Städte und Landschaften — genutzt u. a. für Flugsimulatoren, Verteidigungsanwendungen und urbane Planung.
Datenschutz & Privacy
Mostly AI ermöglicht es Unternehmen, mit synthetischen Daten zu arbeiten, die keine echten Personendaten enthalten, aber statistisch identische Eigenschaften aufweisen — ein Schlüssel für DSGVO-konforme Datenanalyse.
Regionale Verteilung: Wo KI in Österreich passiert
Wien — Das Epizentrum
Mit ca. 65 % aller AI-Startups ist Wien das eindeutige Zentrum des österreichischen KI-Ökosystems. Die Hauptstadt bietet die Nähe zu Forschungseinrichtungen (TU Wien, Uni Wien, ISTA), Investoren und dem internationalen Flughafen.
Graz — Industrie und HealthTech
Die Steiermark, insbesondere Graz, hat sich als Hub für Industrial AI und HealthTech etabliert. Blackshark.ai und Leftshift One sind prominente Beispiele.
Linz — Machine Learning und ELLIS
Die JKU Linz mit dem Institute for Machine Learning und der ELLIS Unit positioniert Linz als internationalen Hotspot für ML-Grundlagenforschung.
Oberösterreich & Steiermark
Neben den Hauptstädten gibt es wachsende KI-Aktivität in den industriestarken Bundesländern, unterstützt durch regionale Förderungen und Clusterinitiativen.
Quelle: ai-landscape.at
Ausblick: Trends im österreichischen KI-Ökosystem 2026/2027
1. Der EU AI Act verändert die Spielregeln
Seit August 2024 gilt der EU AI Act. Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln oder einsetzen, müssen zunehmend Risikobewertungen durchführen und technische Dokumentation erstellen. Österreichische Unternehmen, die frühzeitig auf vertrauenswürdige KI setzen, haben einen Wettbewerbsvorteil.
2. AI Factory Austria als Katalysator
Mit der Eröffnung des AI:AT Hub Anfang 2026 und dem geplanten Supercomputer (2027) wird Österreich erstmals über eigene Hochleistungsinfrastruktur für KI-Modelltraining verfügen — ein entscheidender Schritt für technologische Souveränität.
3. Konsolidierung und M&A
Die Übernahmen von Finmatics, Detekt, Powerbot und 7Lytix zeigen: Österreichische KI-Startups sind attraktive Übernahmeziele für internationale Konzerne. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.
4. GenAI-native Geschäftsmodelle
Die AI Landscape beobachtet eine Verschiebung hin zu einer neuen „Core Tech“-Schicht — Unternehmen, die Infrastruktur und Tools für den globalen AI-Stack bauen. Diese GenAI-native Welle wird das Ökosystem weiter transformieren.
5. Mehr Geld für KI
Mit der AI Mission Austria (€20 Mio.), dem FFG Basisprogramm und den Bundesländer-Förderungen stehen 2026 über 55 Millionen Euro für KI-Projekte bereit. Dazu kommt die europäische Finanzierung über EuroHPC und die AI Factory.
Fazit: Österreich als KI-Standort 2026
Österreich hat ein überraschend vielfältiges und dynamisches KI-Ökosystem aufgebaut. Mit fast 300 AI-Startups, Forschungseinrichtungen von Weltrang, der neuen AI Factory Austria und einer Förderlandschaft von über €55 Mio. bietet das Land attraktive Rahmenbedingungen für KI-Innovation. Die Kombination aus technischer Exzellenz, Datenschutzbewusstsein und dem Fokus auf vertrauenswürdige KI könnte sich als europäischer Differenzierungsfaktor erweisen.
Für Gründer, Unternehmen und Forscher lohnt sich ein genauer Blick auf die verfügbaren Ressourcen. Ob Förderung, Infrastruktur oder Talent — das österreichische KI-Ökosystem wächst und bietet Chancen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.
Weiterführende Ressourcen
- 📊 AI Landscape Austria 2025 — Die vollständige Übersicht aller KI-Unternehmen
- 💰 KI-Förderungen Österreich 2026: Der komplette Guide — Alle Förderprogramme mit Beträgen und Fristen
- 🏭 AI Factory Austria (AI:AT) — Österreichs neuer KI-Hub und Supercomputer
- 🤖 AI Austria — Think Tank und Community
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