Ein südkoreanischer Spielekonzern-Chef wollte einen 250-Millionen-Dollar-Bonus vermeiden. Seine Lösung: Er fragte ChatGPT um Rat und entließ daraufhin die Studiochefs. Doch das Gericht machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Der Fall zeigt, wie riskant es ist, wichtige Geschäftsentscheidungen an künstliche Intelligenz zu delegieren.
ChatGPT-Beratung – Was steckt dahinter?
Krafton-CEO Changhan Kim nutzte ChatGPT als Unternehmensberater. Das Sprachmodell (ein KI-System, das menschenähnliche Texte erzeugt) sollte ihm bei einer heiklen Personalentscheidung helfen. Kim wollte vermeiden, einen vereinbarten Bonus an die Chefs des Studios Unknown Worlds zu zahlen.
ChatGPT funktioniert wie ein sehr belesener Gesprächspartner. Du stellst eine Frage, die KI durchsucht ihr Training und gibt eine Antwort. Doch diese KI-Antworten basieren auf Wahrscheinlichkeiten, nicht auf Rechtsberatung oder fundierten Geschäftsstrategien.
Laut Der Standard Netzpolitik entließ Kim die Studiochefs der „Subnautica“-Macher nach der ChatGPT-Beratung. Er hoffte, so die Bonuszahlung umgehen zu können. Das Unterwasser-Spiel „Subnautica“ war ein großer Erfolg für das Studio.
Der Plan ging jedoch nach hinten los. Das Gericht sah die Entlassungen als unrechtmäßig an und zwang Kim zur Wiedereinstellung der Führungskräfte.
ChatGPT-Beratung: Warum das gerade jetzt wichtig ist
Immer mehr Führungskräfte nutzen KI-Tools für Geschäftsentscheidungen. Eine Umfrage von McKinsey aus 2024 zeigt: 65 Prozent der Unternehmen setzen bereits generative KI ein. Doch rechtliche Fragen gehören nicht dazu.
Der Fall Krafton ist kein Einzelfall. In den USA verklagten Anwälte bereits Mandanten, weil ChatGPT falsche Gerichtsurteile erfunden hatte. Die KI „halluziniert“ manchmal – sie erfindet plausible, aber falsche Informationen.
Besonders problematisch wird es bei Personalentscheidungen. ChatGPT kennt keine lokalen Arbeitsgesetze und kann keine rechtlichen Konsequenzen abschätzen. Was in einem Land legal ist, kann in einem anderen zu hohen Strafen führen. Hier ist eine durchdachte KI-Regulierung besonders wichtig.
Experten warnen vor blindem Vertrauen in KI-Ratschläge. Die Technologie ist ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliche Expertise und rechtliche Beratung.
Was das für Österreich bedeutet
Auch österreichische Unternehmen nutzen ChatGPT für Geschäftsentscheidungen. Doch das Arbeitsrecht ist hier besonders streng. Ungerechtfertigte Kündigungen können teuer werden. Die Arbeiterkammer unterstützt Betroffene bei rechtlichen Schritten.
Die Wirtschaftskammer Österreich bietet bereits Schulungen zum Umgang mit KI im Unternehmen an. Dabei wird betont: KI kann unterstützen, aber nie die finale Entscheidung treffen. Besonders bei Personalfragen ist menschliche Expertise unverzichtbar.
Österreichische Arbeitnehmer sind durch das Angestelltengesetz gut geschützt. Entlassungen müssen begründet sein. Ein „ChatGPT hat es empfohlen“ reicht definitiv nicht aus. Gleichzeitig arbeiten viele Unternehmen bereits an KI-Agenten für Finanzprozesse, um administrative Aufgaben zu optimieren.

